Floskeln, die man besser für sich behalten sollte
Floskeln, die man besser für sich behalten sollte? Warum? Es sind halt nur Floskeln. Sie haben mit dem konkreten Empfinden desjenigen, den Ihr da vor Euch habt, nichts zu tun. Solche Floskeln helfen, wenn man eine gesunde Konstitution hat. „Jetzt reiß Dich mal zusammen!“ – das hat mich im Sportunterricht noch ein paar Zentimeter weiter hüpfen lassen. Tja, ich war aber auch selbstsicher genug.
Wirkung von Floskeln bei Depressiven – gleich null. Vor allem, weil es ein Zeichen von Unverständnis ist. Solche Floskeln legen offen, dass man eigentlich keine Ahnung hat, wie es ihnen wirklich geht. Dass einem eben nichts besseres einfällt, als eben zu Ermahnen oder Ratschläge zu geben.
Depressive hören solche Ratschläge jeden Tag. Und was viel schlimmer ist, sie ermahnen sich selbst den ganzen Tag. Es ist ja nicht so, dass sie die guten Tipps nicht kennen würden, doch sie scheitern an ihnen – so bescheuert das klingt. Genau an diesen Lebensweisheiten, an diesem „eigentlich muss das doch gehen“. Wer mit solchen Floskeln kommt, hält sozusagen noch ein extra großes Pappschild hoch auf dem steht: „Du bist zu dumm, zu doof, zu faul, zu dämlich!“ So zumindest kommt das bei Depressiven an.
Lasst das, wenn möglich! Ist nicht so einfach, ich weiß . Man ist hilflos, möchte ja wenigstens irgendwas sagen. Dann sagt bitte was Mitfühlendes, aber keine Tipps, Ratschläge etc.
Hier einige Beispiele, ohne jede Wertung:
- Jeder hat mal einen schlechten Tag.
- Das wird wieder besser.
- Du brauchst Urlaub/ eine Auszeit!
- Eigentlich hast du es doch gut.
- Beiß die Zähne zusammen.
- Kneif den Arsch zusammen.
- Du brauchst Ablenkung.
- Ein Spaziergang tut immer gut.
- Du musst unter Menschen!
- Wer richtig arbeitet, grübelt nicht.
- Schreib Deine Sorgen auf einen Zettel.
- Schreib Deine Hoffnungen auf einen Zettel.
- Du darfst die Hoffnung nicht aufgeben.
- Du musst es nur wollen.
- Tu das, was dir gut tut.
- Ein Spaziergang tut immer gut.
- Ich weiß, wie Du Dich fühlst.

